3.2 „Oder vielleicht sagt man es anders besser“[3]: Die Erzählhaltung Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Hsg. Der Satz ist Behauptung und Beleg zugleich. Der Mann ohne Eigenschaften lebt in einer Zeit der Eigenschaftslosigkeit 16 5. Nicht jede gedankliche Abschweifung ist essayistisch, da für den Terminus Essayismus Kriterien erfüllt sein müssen. Dass dabei die herausragende Bedeutung, die “Der Mann ohne Eigenschaften” innehat, maßgeblich auf die essayistischen Einschübe sowie die essayistische Struktur zurückzuführen ist, kann nicht glaubwürdig in Frage gestellt werden. Aphorismen zwar kein Beweis, aber eines von mehreren Indizien für das Vorhandensein essayistischen Textes sein können, wenn sich aus eben jenem zitierbare Aphorismen extrahieren lassen. Daraus lässt sich folgern, dass aphoristische Elemente bzw. 2.1 "Um es mit einem Wort zu sagen"[1]: Aphoristischer Schreibstil 3.4 Die Selbstreferentialität, 4. Da in Robert Musils Roman Essayismus nicht nur aus essayistischen Einschüben in den Text besteht, sondern der Roman zumindest streckenweise nach essayistischen Prinzipien entworfen worden ist, muss auch diese Betrachtungsebene in die Interpretation einfließen. Diese Funktionen für sich lassen die Erarbeitung der aphoristischen Elemente innerhalb der essayistischen Passagen schon als gerechtfertigt erscheinen. Das Rot ist wissenschaftlich „auf Mikromillimeter“ genau beschreibbar aber dieser Wert ist für das Denken unsichtbar und abstrakt, wohingegen das simple Morphem „Rot“ sehr viel exakter das Denken animiert (als Vorstellung der Farbe) als eine mathematische Angabe mit drei Stellen hinter dem Komma. Selbst wenn man die Verschiedenheit des bezeichneten Objekts (aphoristisches Element und Aphorismus) berücksichtigt, wirkt die Festlegung Pfeiffers vorschnell. Diese Wohnung und dieses Haus gehörten dem Mann ohne Eigenschaften. Kapitel 76-79; Kapitel 80-89; Kapitel 90-99; Kapitel 100-109; Kapitel 110-119; Kapitel 120-123; Der Mann ohne Eigenschaften 3. Er war auch jederzeit bereit, alle diese Gestaltungen des Lebendigen zu lieben. Notwendige Merkmale sind die kotextuelle Isolation, die Prosaform und die Nichtfiktionalität. Der schmale Grat zwischen ironischer Kritik und satirischer Vernichtung zeigt sich darin, ob die Destruktion des bezeichneten Objekts oder eine konstruktive Umwandlung angestrebt wird. Die „Gewalt“ entlädt sich in einer knappen, kurzen Pointe, die den Kern einer Sache in einem Satz erfasst. Adolf Frisé,Hamburg 1981. Im „Mann ohne Eigenschaften“ erzählt der Autor, wie und warum die Hauptperson Ulrich genau diese Berufe wie sein Autor aufgibt. Es gibt kein Grab. In der Folge soll an einigen Beispielen der Nexus von Essay und Aphorismus veranschaulicht werden. Eine erste seiner vielfältigen Konnotierungen im zweiten Kapitel ist natürlich die, welche der volkswirtschaftliche Zusammenhang nahelegt, aus dem der Begriff „Rationalisierung“ stammt, nämlich die der Arbeitsteilung; er übermittelt dem Leser das Bild, daß die Arbeitsleistungen dieses Zeitalters so geplant, organisiert und normiert werden, daß sie sich zu der o. gen. Summierung eignen. Ein bis dahin latent gebliebener Gedanke nähert sich in der Reflexion dem Bewusstsein: „Solche Dinge begann man damals zu sehen, und irgendwie muss man sie anerkennen, so wie man die Hochbauten anerkennt und die Elektrizität. [4] Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Partikel wie „angenommen“ oder „vielleicht“ können in einem spezifischen Kontext schon einen essayistischen Geist vertreten, wenn sie in handlungsreichen Abschnitten zur Zersetzung respektive Hinterfragung der „Romanwirklichkeit“, also der Fiktion, beitragen. Des Weiteren sei explizit darauf hingewiesen, dass essayistisch nicht mit reflexiv gleichgesetzt wird. Hg. Er macht fast ausschließlich das zweite Buch und den Nachlass zur Grundlage seiner Untersuchung. Die Bewertung dieser Hinwendung des Aphorismus wird in der Forschung kontrovers gesehen[37]. Adolf Frisé,Hamburg 1981 Interpretation des 1. Kaum ein anderes Werk der Jahrhundertwende und den Jahrzehnten danach verstand es besser, eine derartige Dichte an philosophischen Betrachtungen und psychologischen Diagrammen der damaligen Geisteswelt darzulegen. Dieser Anspruch kann für diese Arbeit nicht gelten. Frankfurt 1983, S.42, [59] Philip H. Beard: ’Beginn einer Reihe wundersamer Erlebnisse’: Prüfstein einer Umwandlung in Musils Gebrauch von Essayismus und Ironie. Abstrakte Welt und Eigenschaftslosigkeit : eine Interpretation von Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften unter dem Leitbegriff der Abstraktion / Martin Menges. Der Begriff der Klassischen Moderne bedeutet hierbei den Kulminationspunkt der Entwicklung der Moderne zu beschreiben[6]. Unter MUSILTEXT lesen Sie Musils Der Mann ohne Eigenschaften in der für die Gesamtausgabe bei Jung und Jung neu ins Leben gerufenen Form. Zuerst soll allerdings auf die konstruktive Ironie eingegangen werden. Allgemein lässt sich sagen, dass die Forschungsliteratur zum MoE den werkimmanenten Zwiespalt ausdrückt. Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, nimmt sich im August 1913 für ein Jahr "Urlaub vom Leben", nachdem seine Versuche, ein berühmter Mann zu werden, kläglich gescheitert sind. Der Mann ohne Eigenschaften, Band 1 Der gewaltige literarische Bilderbogen einer untergehenden Epoche. Sie vermitteln den Eindruck im Ansatz abgebrochener Essays. Sie hat den Wunsch nach einer planvollen „Urbarmachung“ des MoE zugunsten einer offenen, unsystematischen Betrachtung relevanter Aspekte fallen gelassen. Mit Einschränkungen kann noch Phillian Joungs „Passion der Indifferenz: Essayismus und essayistisches Verfahren in Robert Musils ‚Der Mann ohne Eigenschaften’“[13] zu diesen stilistisch orientierten Werken zählen. Wer aber wäre hier die tragische Person? Sie ist hauptsächlich billig, und zwar ausgehend von jedem, allerdings auch für jeden, in allen Bedeutungen des Wortes. Da der Begriff Ironie in der Literaturwissenschaft „sehr unterschiedliche Phänomene“ beschreibt, wie Honnef-Becker[60] zu bedenken gibt, muss für dieses Kapitel eine weitere Unterscheidung gegenüber der Satire unternommen werden. In: Robert Musil: Essayismus und Ironie. Innerhalb der Musil-Forschung wird die Differenzierung von Autor und Erzähler sowie Protagonist häufig nicht vorgenommen[20]. Der ‚Essay’- Begriff Musils wird dabei dem ‚Essay’- Begriff von Theodor Adorno, Max Bense und Georg Lukács gegenübergestellt. Seine Interpretation von Musils 'Der Mann ohne Eigenschaften' wurde zum sensationellen Erfolg. Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren per E-Mail senden. Auf der einen Seite beispielsweise das vernichtende Urteil Krauses, der eine geplante Aphorismussammlung, welche mit dem Ausdruck „Rapial“ betitelt werden sollte, vernichtend beurteilt: „Das anspruchsvolle Wort ‚Rapial’, ebenso wie das Wort ‚Aphorismus’ für diese Arbeitsanfänge sollen die Mäßigkeit des zufälligen Gedankens aufwerten.“[38] Auf der anderen Seite das überschwängliche Lob Marie Louise Roths, die Musils aphoristischen Fähigkeiten mit denen La Rochefoucaulds, Lichtenbergs, Nietzsches oder Goethes gleichstellt[39]. Weder der Umfang, noch das Thema, noch die “Mystik”, in die der Roman im Zweiten Buch mündet, könnten als stichhaltige Begründung für die weitreichende Geltung, die der Roman besitzt, herhalten. Wohingegen die ab 1935 produzierten Aphorismen, die Musil peu à peu in Zeitungen veröffentlichte, zugegebenermaßen an Durchdachtheit und Pointiertheit zu wünschen übrig ließen. Daß es das tatsächlich nicht ist, legt der weitere Verlauf nahe; denn die Dame ist schnell getröstet, als es ihrem Begleiter gelingt, das irrationale – wie man will schicksalshafte oder zufällige (im Sinne von „was einem ohne Zutun zufällt“) – Unglück zu rationalisieren, indem er es in ein technisches Problem transponiert, das von der Technik beherrschbar und steuerbar wäre. Benno von Wiese, Der deutsche Roman II, Düsseldorf 1963, S. 361-419), aber es war noch eine zweite Abhandlung dabei, aus der ich mir ein paar Notizen gemacht hatte. [37] Darauf weist bereits Peter Pfeiffer hin. Verglichen mit der Gesamtzahl der Publikationen zum MoE, die außerliterarische Stoffe erarbeiten, ist dies eine vernachlässigbare Größe, so dass Reich-Ranicki zugestimmt werden muss, wenn er schreibt: „Warum beschäftigen sich Kritik und Literaturwissenschaft so gut wie nie mit Musils Stil? Im gesamten Portal weist Sie das Icon jeweils auf zugängliches Textmaterial hin. Andere Autoren wiederum, die ihren wissenschaftlichen Blick überwiegend auf das Geschwisterverhältnis und die Mystik des „anderen Zustands“ fokussieren, stützen sich fast ausschließlich auf das Zweite Buch und den Nachlass[25]. 4.2 Musils Essayismus im MoE im Kontext der Klassischen Moderne. Leider habe ich aber keine Ahnung, wer oder was das gewesen sein könnte. Daß man darüber lacht, deutet auf eine gewisse Spannung, wenn nicht sogar Inkompatibilität oder Feindschaft zwischen dem WAHREN, wie es die Naturwissenschaft beschreibt, und dem GUTEN hin, eigentlich darüber hinaus auf eine zwischen NATURWISSENSCHAFT und SEELE.[2]. Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, nimmt sich im August 1913 für ein Jahr "Urlaub vom Leben", nachdem seine Versuche, ein berühmter Mann zu werden, kläglich gescheitert sind. Zum anderen steht dieser direkten Ausprägung des Essayismus eine weitere Ausformung des Essayismus gegenüber, die in vorliegender Arbeit „narrativer Essayismus“ genannt werden soll. Honnef-Becker bemerkt hinsichtlich einiger Reflexionen im MoE: „Diese pointierten Aussagen werden nicht deduktiv entwickelt, sondern sind Geistesblitze, die spontan auftauchen und aphoristisch anmuten.“[54] Dieser Hang zur konzisen, pointierten Ausdrucksweise enthüllt den aphoristischen Geist vieler Sätze: „Vielleicht glauben nicht alle diese Menschen an die Geschichte vom Teufel, dem man seine Seele verkaufen kann; aber alle Leute, die von der Seele etwas verstehen müssen, weil sie als Geistliche, Historiker, und Künstler gute Einkünfte daraus beziehen, bezeugen es, dass sie von der Mathematik ruiniert worden sei und dass die Mathematik die Quelle eines bösen Verstandes bilde, der den Menschen zwar zum Herrn der Erde, aber zum Sklaven der Maschine mache.“[55] (Hervorhebung von mir). Und in der Tat, man darf wohl sagen, dass sich die unerwarteten Einfälle durch nichts anderes einstellen, als dass man sie erwartet.“[42] (Hervorhebung von mir). Die Ironie hierbei führt sowohl die sprachlich-unexakte als auch die wissenschaftlich-exakte Denkweise an ihre jeweilige Grenze. Robert Musil und die Moderne. Bevor der aphoristische Schreibstil im MoE erarbeitet werden kann, ist es angebracht, die Differenz zwischen Aphorismus und aphoristischem Element zu erläutern, die lediglich formeller Natur ist: Ein aphoristisches Element befindet sich in einem Prosatext und müsste erst extrahiert, drucktechnisch von den anderen aphoristischen Elementen derart isoliert aufgereiht werden, dass keine semantische, strukturelle oder syntaktische Verbindung mehr zwischen den einzelnen aphoristischen Elementen/Aphorismen besteht[30]. Stuttgart 1969, S.47-59, [8] Wilfried Berghahn: Die essayistische Erzähltechnik Robert Musils. "Der Mann ohne Eigenschaften" ist ein ironischer und zugleich utopischer Roman. In der schlagenden Eleganz dieser knappen Formulierung leuchtet die – wenn auch altmodische – Qualität der SCHÖNHEIT auf, die den ganzen gespreizten wissenschaftlichen Sermon in seiner pedantischen Umständlichkeit nachträglich in eine etwas lächerliche Beleuchtung rückt. des Essayistischen bemüht sind, konfrontieren. Solche überlangen, hypotaktischen Sätze entblößen die Verwandtschaft beider Gattungen: „Der Mensch trägt den größten Teil seiner Eitelkeit, da man ihn gelernt hat, dass er ihn nicht im Herzen tragen dürfe, unter den Füßen, indem er auf dem Boden eines großen Vaterlandes, einer Religion oder einer Einkommensstufe wandelt, und in Ermangelung solcher Position genügt ihm sogar, was jeder haben kann, sich auf der augenblicklich höchsten Spitze der aus dem Nichts aufgestiegenen Zeitsäule zu befinden, das heißt, gerade jetzt zu leben, wo alle Früheren zu Staub geworden sind und keine Späteren noch da sind.“[51]. Diesmal aber innerhalb eines Kapitels: „‚Habe ich nicht Clarisse etwas vom Wasser erzählt?’ fragte er sich, vermochte jedoch nicht, sich deutlich zu erinnern. B. durch Mitleid und Trauer, sondern die technische Vernunft; das hat den angenehmen Effekt, daß es der Dame sofort besser geht als vorher. Zum einen soll eine Erarbeitung der konkreten Manifestation des Essayismus im MoE erreicht werden. Buch | Kapitel 20-29; 2. Für die Erarbeitung des Kontextes sollen elementare Mittel des Essayismus im MoE mit anderen relevanten Zeiterscheinungen konfrontiert werden. Diotima ist dieser Wesensunterschied ebenfalls bewusst, wenn sie zu Ulrich sagt: „Er hat und braucht darum den Anschluss an die Wirklichkeit. Alle im Einstieg erwähnten Bedingungen finden sich in diesem Satz erfüllt. Die aphoristische Schreibweise in den essayistischen Passagen tritt jedoch auch sehr häufig in einer unvollendeten Form auf, die nicht alle Kriterien eines aphoristischen Elements erfüllt, da Fiktionssignale in Form von Eigennamen, Dieikta, Pronomina oder einem Fiktion ausdrückenden Tempus oder Modus in entsprechendem Satz vorhanden sind. Und 2. Es fragt sich nun, welcher Art dieses Druckgefühl nun wirklich ist, das die Dame heimsucht. Darüber hinaus glätten die aphoristischen Elemente die Übergänge von der Handlung in die Reflexion. Get this from a library! Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com. Wenn bei Isothermen und Isotheren völlig deplaziert von „Pflichterfüllung“ die Rede ist, bedeutet das, die Dimension des GUTEN in mathematische Zeichensysteme einzuführen. Aphoristischer Schreibstil kann entstehen, wenn die Kohärenz der Sätze so gering ist, dass einzelne Sätze abspalt- und zitierbar werden, insofern sie reflexiv genug sind, was geschehen kann, wenn die Handlungsebene zugunsten eines von Reflexionen getragenen Fortschreitens des Romans beschnitten wird. Buch | Kapitel 30-38; Der Mann ohne Eigenschaften 4. Eine erste und offen ersichtliche Funktion erfüllt das aphoristische Element in Form einer Einleitung in eine essayistische Passage direkt zum Kapitelbeginn. In den wissenschaftlichen Bericht hat der Erzähler vorher einen Gag eingefügt, den man, eingelullt in den Fluß des wohlbekannten ‚Wissenschaftssprech‘, leicht überliest: „Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit.“ Daß eine von den Wissenschaften erfundene, fiktive Reihe von Meßwerten handeln können soll („taten ihre Schuldigkeit“) ist so komisch, wie wenn Doof zu Dick sagt: „Ollie, gib acht, daß du nicht über den Äquator stolperst!“, Einen weiteren komischen Bruch bemerkt man in der Aussage, wenn man sich die Bedeutung des Wortes „Schuldigkeit“ klar macht. Der Idee vom „Übermenschen“ bereitet die real existierende und herrschende bürgerliche Lebensweise „Schwierigkeiten“. - Hohes Honorar auf die Verkäufe Dies mag auch an der Konzeption des MoE liegen, welcher aufgrund der Vielzahl seiner Diskurse nicht nur rein literaturwissenschaftliche Fragen aufwirft[18]. Ein weiteres Beispiel ist folgende Satzeinleitung: „Der Trieb, recht zu haben, ein Bedürfnis, das gleichbedeutend mit Menschenwürde ist, begann im Hause Fischel Ausschreitungen zu feiern.“[56] (Hervorhebung von mir). Inhaltsangabe von Der Mann ohne Eigenschaften (Robert Musil) mit Hinweisen zum Autor, der Epoche und Ansätzen zu einer möglichen Interpretation. Zu diesem Zeitpunkt ist sie 27 Jahre alt, seit fünf Jahren verheiratet mit einem Gymnasiallehrer, dem Professor Gottlieb Hagauer, nachdem sie schon mit 19 Jahren Witwe geworden war.Agathe und Ulrich kennen sich als Erwachsene kaum, wenn Ulrich auch bei ihrer zweiten Hochzeit anwesend war. Wien 2000, [24] Jelka Schilt: ’Noch etwas tiefer lösen sich die Menschen in Nichtigkeiten auf’: Figuren in Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften. Schwierig jedoch in Fällen wie dem folgenden, wo der Besuch eines etwa fünfzigjährigen Mannes zu empfangen war, der sich als Kanzleioberoffizial vorstellte; seine Stirn hatte das Leuchten von Märtyrerstirnen, und er erklärte, der Gründer und Obmann des Stenographievereins „Öhl“ zu sein, der sich erlaube, das Interesse des Sekretärs der großen patriotischen Aktion auf das Kurzschriftsystem „Öhl“ zu lenken.“[69]. Münster 1990. Hg. Inhaltsangabe24.de. Stellt sich beim Leser nicht ein ähnliches Lächeln ein, wenn der Autor den ganzen philosophischen Unter- oder Überbau der Fortschrittsgläubigkeit des technischen Zeitalters in einer ganz beiläufig erzählten Szene zusammenkrachen läßt, so daß er nur durch eine – allerdings geschickt verdeckte – Lüge restituiert werden kann? In jüngster Zeit wurde auch die prinzipielle Offenheit des MoE auf die Forschungsweise übertragen. Das hieß bereits, sich in eine Lage voll der Möglichkeiten begeben, sich lächerlich zu machen.“[74], [2] Robert Musil: Tagebücher. In Sprachästhetische Sinnvermittlung: Robert Musil Symposium 1980. Der Mann ohne Eigenschaften 3: Zweites Buch Kapitel 1-38 (Musil Gesamtausgabe) von Robert Musil Gebundene Ausgabe 37,00 € Nur noch 7 auf Lager (mehr ist … Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. „Die große patriotische Aktion“ wie die Parallelaktion eher satirisch als ironisch auch heißt, wird gelähmt durch die Beschäftigung mit den abstrusesten Vorstellungen und Vorschlägen, wo die Verleihung eines Professorentitels für profanes Fußball spielen noch als „verhältnismäßig einfach“ eingestuft wird. Die Verstimmtheit der Dame endet allerdings ziemlich schnell, als es ihrem Begleiter gelingt, die Ursache des Unglücks in ein technisches Problem, das rational beherrschbar wäre, umzudeuten. Dieser Satz weist auf die Wichtigkeit der Kontextbezogenheit von moralischen Urteilen. Vorsicht: Ideenleihe! Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ ist zweifellos einer der bedeutendsten Romane des 20.Jahrhunderts, auch wenn in der Forschung immer noch vereinzelt in Frage gestellt wird, ob es sich bei „Der Mann ohne Eigenschaften“ überhaupt um einen Roman handelt. Sie ist Teil des Möglichkeitssinns und dadurch ein Element des Essayismus im MoE. Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen: Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. von dem sie ausgehen, ist vermutlich ein persönlicher Ulrichs (und wahrscheinlich des Autors). Musil erschafft in seinem Buch einen Helden Namens Ulrich, der für unser inneres Dilemma stehen kann, für unsere Zerrissenheit, die sich in der modernen und schnelllebigen Welt widerspiegelt. In: Plakatwelt. Zuletzt klingt durch die Erwähnung der antiken Heroen der von Herodot eingeführte Gegensatz zwischen der alten mythischen und der modernen rationalen Zeit an. von Adolf Frisé, Reinbek 1978 wird in der Folge mit ‘MoE’ abgekürzt. Beide betonen, Granger eher von der … Im Lichte der bei Musil geschilderten Bewußtseinslage der mitleidigen Dame wird einem der Begriff „Mitleid“ bei Lessing aber fragwürdig. Historisch gesehen resultiert das Unwohlsein der Dame daraus, daß sie als Bürgerin und Nutznießerin der technischen Zivilisation auf ein archaisches Unglück gestoßen ist, welches dem gängigen Weltbild der Fortschrittsgläubigkeit heftig widerspricht. Oder ist es doch tragische Schuld, nämlich die der Unachtsamkeit gegenüber den neuen Göttern? Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. Es handelt sich bei der Dame also nicht um Mitleid mit dem Opfer der Technik, sondern eigentlich um ungeklärte Ängste angesichts der Gewalten, welche die Technik entfesselt (ungeklärt vermutlich deshalb, weil die herrschende Fortschrittsgläubigkeit die Gefahren nicht sieht oder banalisiert); als ihr Begleiter einen technischen „Fehler“ als Ursache für das Unglück verantwortlich machen kann, ist ihr Unwohlsein beendet und das Opfer des Unglücks schnell vergessen. Dieser „narrative“ Essayismus soll anhand der Erzählhaltung, der Zeitstruktur und der Kausalität sowie anhand der Charakterstruktur des Protagonisten dargestellt werden. Entdecke weitere Hörbücher auf pop.de. Das rationalisierte Heldentum wird nicht nur das WAHRE verkörpern, sondern auch das SCHÖNE, womit Musil sehr lakonisch eine weitere thematische Verbindung zum vorhergehenden Kapitel herstellt. Zwischen den Geschwistern entwickelt sich ein inzestuös getöntes Verhältnis, das auf die Suche nach einem anderen Zustand von tagheller Myst… Die innere Überleitung dagegen ist umso eleganter, indem sie ohne große Vorbereitung den Mann ohne Eigenschaften als einen Mann der technischen Zivilisation und als genuinen Naturwissenschaftler einführt, indem er, am Fenster stehend, spielerisch die Kräfte abschätzt, die ein Bürger der technischen Welt benötigt, einfach nur um zu leben. Fricke hingegen ist dezidiert gegen eine voreilige Fixierung: “Alle Versuche der Festlegung […] entspringen dezisionistischer Willkür und zerschlagen sich vor der Tatsache, dass sich selbst bei den unstrittigen Prototypen der Gattung manche Aphorismen über mehrere Seiten erstrecken.”[49]. Was er niemals zustande brachte, war bloß, sie restlos, so wie es das soziale Wohlgefühl erfordert, zu lieben.“[43] (Hervorhebung von mir). 1993 L'homme probable (1993) Combas : Éd. So etwas ist logisch, aber nicht tragisch im Sinne schuldloser Schuldhaftigkeit oder eines tragischen Konfliktes. Id … [Martin Menges] Er wird Sekretär bei den Planungen des 70. Herausgegeben von Walter Fanta. Exemplarisch kann dies am wichtigen vierten Kapitel veranschaulicht werden: „Wenn man gut durch geöffnete Türen will, muss man die Tatsache achten, dass sie einen festen Rahmen haben: dieser Grundsatz, nachdem der alte Professor immer gelebt hatte, ist einfach eine Forderung des Wirklichkeitssinns. von Marie-Louise Roth, Saarbrücken 1987, S.113. Grundlage der vorliegenden Arbeit ist der gesamte Textkorpus des MoE, obschon die Fragestellung eine Fokussierung auf das Erste Buch impliziert. Darüber hinaus klingt die moderne Arbeitsteilung mit, insofern als die Leistung in vielen kleinen „Rationen“ erbracht wird, die am Ende des Produktionsprozesses zu einem komplexen Produkt zusammengefügt werden; letzten Endes handelt es sich dabei um die von Henry Ford erfundene Fließbandarbeit, durch welche billige Massenproduktion ermöglicht wird. [36] MoE, S.1123-1130, S.1138-1146, S.1156-1174. Eben diese „halbseidenen“ aphoristischen Elemente vermitteln in ihrer reinen Vielzahl den Eindruck, dass die aphoristische Zuspitzung ein bedeutendes Mittel zur Realisierung der essayistischen Schreibweise im MoE ist. Obgleich mehr als eine Dekade seit dieser Äußerung vergangen ist, hat sie ungebrochene Aktualität. Musil war nach Abbruch seiner Offizierslaufbahn als Ingenieur, Mathematiker und Physiker tätig, letzteres mit so bedeutendem Erfolg, daß ein Phänomen der Lichtbrechung nach ihm benannt ist. Reiss bemerkt, dass die Ironie niemals die Vernichtung anstrebe: „Der Ironiker vernichtet sein Objekt nicht, sondern nähert sich ihm mit einer seltsamen Mischung aus Abneigung und Zuneigung; zu dieser Ironie gehört immer auch das Moment der Einfühlung.“[61]. Nicht selten ist dabei Ulrich Träger des Gedankens. Absolut sicher bin ich mir nur, daß die (etwas gewagten) Ideen über Furcht und Mitleid, Schuld und Verantwortung exklusiv von mir stammen, die über Musils Kritik am naturwissenschaftlichen Weltbild aber zu einem nicht mehr identifizierbaren Teil von W. Rasch und einem unbekannten Autor inspiriert wurden. [25] Ein exemplarisches Beispiel ist Gerd-Theo Tewilt: Zustand der Dichtung. 4.1 Der Essay-Diskurs Das Buch "Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil wird in der deutschen Literatur als eines der gewaltigsten Werke bezeichnet. Man weiß es und schreckt doch vor ihnen zurück. Das „ergebnislose Reden“, welches ironisch zu interpretieren ist, muss verstanden werden als die Offenheit, die dem Essay zu eigen ist. Hörbuch, ISBN: 9783862315376, Literatur & Klassiker. Der Herr sagte nach einigem Schweigen zu ihr: ´Diese schweren Kraftwagen, wie sie hier verwendet werden, haben einen zu langen Bremsweg.‘ Die Dame fühlte sich dadurch erleichtert und dankte mit einem aufmerksamen Blick. Schwester des Mannes ohne Eigenschaften, Ulrich.Sie trifft ihren Bruder beim Begräbnis des Vaters wieder. Dabei sollen stilistische Elemente aufgeführt werden, die für den Essayismus der musilschen Prägung charakteristisch sind. Diese Technik der unkonventionellen Kombination hat Honnef-Becker bereits konstatiert[70]. Dasselbe kann im Übrigen für die aphoristisch isolierten Tagebucheinträge im Nachlass des MoE gelten. Bei unserem Paar ist die Welt noch in Ordnung; die Dame hat, durchaus geschlechtsspezifisch, Seele, die das zwar unentschlossene, aber unangenehme und lähmende Gefühl in ihrer Magengrube angesichts des Unfalls hervorbringt, der Herr aber hat, genauso geschlechtsspezifisch, Verstand, mittels dessen es ihm gelingt, seine Begleiterin durch Rationalisierung der Ereignisse vom Druck der unbewußten seelischen Vorgänge chevaleresk zu entlasten. Ändern ), Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Allerdings wohnt diesem Lächeln nicht nur Schadenfreude, sondern auch ein Moment der ästhetischen Befriedigung inne infolge der Eleganz der Darstellung, die durch frappierende gedankliche Dichte und einen völligen Mangel an sprachlicher Redundanz gekennzeichnet ist.

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