Aktuelles

Bella Sicilia

Bella Sicilia und stolze Traumstädte Italiens

von Walter Schenker

Die Anreise geht durch die Schweiz.

Der wortkarge Fahrer, der Helmut heißt, sagt unvermittelt: „Da haben Sie links den Vierwaldstättersee.“ Nur ich als Schweizer störe mich an den Aussprachefehlern, die er macht. Erstens sagte er „stetter“ statt „stätter“, und zweitens betont er „see“ statt „stätter“. Daran merke ich, dass ich nicht ganz als Tourist in der Schweiz bin, sondern mindestens ein bisschen als Einheimischer.

Vor dem Gotthardtunnel bitte ich den Fahrer um ein Piccolo. Ich erhalte es und fühle mich in Festtagslaune.

Im Tessin dann fällt mir an manchen Häusern eine bestimmte Art der Dachform auf, und zwar fällt das Dach an allen vier Seiten des Hauses leicht flach ab. Das gibt es in der deutschen Schweiz nicht.

Im angrenzenden Italien fällt mir diese Dachform ebenfalls auf.

Auf der Autobahn merke ich, wie wenig italienische Automobilfabrikate zu sehen sind. Immerhin entdecke ich einen Ferrari, sowie, ebenso einzeln, einen weißen Maserati, erkennbar am dreizackigen Logo.

Ich nippe noch am Sekt.

Viermal sehe ich einen sowohl vorn wie hinten stromlinienförmigen roten Zug. Als ein nicht stromlinienförmiger blau-gelber Zug vorbeifährt, schließe ich, dass nicht alle italienischen Züge stromlinienförmig und rot sind.

Der Sekt ist aus.

Entlang der Autobahn gibt es verschiedenartige Büsche oder Sträucher, denen ich keinen Namen zuordnen kann. Einmal hat ein Strauch ginsterfarbene Blüten, aber ein Ginster ist es nicht.

Die Berge schon im Tessin waren ebenso namenlos oder anonym, wogegen mir in der Innerschweiz immerhin der Bürgenstock namentlich auffiel und, weniger sicher, der oder die Rigi, wobei ich mir bewusst war, dass für mich in der Jugend noch viel mehr Voralpengipfel einen Namen hatten. Diese Namen habe ich vergessen.

Bei den Dachformen scheint mir, dass die Häuser mit den vierseitig flach abfallenden Dächern weniger werden zugunsten von Dächern, die nur auf zwei Seiten flach abfallen, somit sattelförmig

sind.

Irgendwann scheine ich eine Zypresse zu entdecken, muss aber meinen Irrtum erkennen. Es ist eine Pappel. Zypressen, typisch für die Toscana, wohin wir fahren zur ersten Übernachtung, sind schlanker.

Wie bei den Sträuchern sind mir auch viele Bäume namenlos. Sind Pinien zu erkennen? Wie sieht eine Pinie aus?

Wo beginnt die Toscana?

Müsste ich in eine italienische Schule gehen, um die Bäume benennen zu können? Dazu bin ich zu alt. Wie aber würde ich einem deutschen oder schweizerischen Kind erklären, was eine Eiche ist und was eine Ulme?

Die Eiche ist am knorrigen Stamm zu erkennen und an den rund gefransten Blättern sowie an den Eicheln. Aber eine Ulme? Da wäre ich sprachlos.

Wie ich auf die vorüberziehenden Sträucher und Bäume sehe, habe ich Angst, ich könnte von Sinnen sein, jedenfalls beginne ich an meinem Verstand zu zweifeln.

Einmal kommt eine ganze Reihe von Sträuchern, die ich zweifelfrei als Ginster erkenne.

Der Held in meinem Roman „Eifel“ war enttäuscht, als er erfahren musste, dass es Ginster auch außerhalb der Eifel gibt. Der Ginster heißt in der Eifel auch Eifelgold.

Das weiß ich von Brigitte.

Woher wusste es Brigitte? Von ihren Eltern, von der Schule, oder sonst woher?

Ich weiß es nicht.

Die verstorbene Brigitte würde sagen, das sei egal, ich käme so nur ins Grübeln.

Recht hätte sie.

Ich versuche, mich von den Sträuchern und Bäumen abzulenken.

Wenn nur der Fahrer nicht so wortkarg wäre.

Dann kommen scheinbar Schneeberge in Sicht. Das kann nicht sein, denn der scheinbare Schnee reicht bis auf unsere Höhe.

Da sagt Helmut, unser Fahrer, und es ist für mich wie eine Erlösung: „Links sehen Sie die Marmorberge von Carrara.“

An den Schildern LUCCA und FIRENZE sehe ich, dass wir in der Toscana sein müssen.

Ich erkenne jetzt zweifelsfrei Zypressen, vermag sie zu unterscheiden von Pappeln und auch Tannen.

Ich erkenne auch zweifelsfrei an ihren unverkennbaren Schirmen die Pinien,

Ich bin in der Toscana.

Gelegentlich sehe ich auch noch Häuser mit vierseitig leicht abfallendem Dach.

Ich sehe die Bogen eines Aquadukts. „Links eine alte Wasserleitung“, bestätigt Helmut.

11.6.17

Zum dritten Mal in Florenz.

Die Sehenswürdigkeiten lassen mich diesmal kalt. Beim David bemerke ich auf einen Hinweis der Reiseführerin den zu großen Kopf und die zu großen Hände.

Zum ersten Mal in Siena. Der Reiseführer, ein Deutscher, ist Siena- und Italienfan und führt uns ein sienazentrisches Bild vor, nicht ganz zu Unrecht wegen der einstigen Stellung im Bankwesen. Die Philosophen an der Fassade vom Dom, wieder eingeführt aus dem Orient. Schön der campo, der große halbrunde Platz mit dem maurischen Turm. Ich trinke einen Chianti classico, befinde mich ja in der Chiantigegend.

Was heißt schön?

Aber als dann noch in blau-gelber Tracht Trommler und Fahnenschwinger mit blau-gelben Fahnen über den campo ziehen, steht die Zeit still.

12.6.17

Ich habe befürchtet, mein dritter Rombesuch könnte gleich fad ausfallen wie mein drittter Florenzbesuch.

Das Gegenteil ist der Fall. Noch nie habe ich Rom so kompakt und vielfältig und eindrücklich erlebt wie in den heutigen drei Stunden. Zuerst die Panoramafahrt mit den sieben Hügeln und den überall wie frisch gemachten Fassaden mit der ganzen Geschichtsträchtigkeit. Dann der Gang zum Trevibrunnen, bei dem ich nicht aus dem Sinn brachte die blonde und großbrüstige Anita Ekberg im schwarzen Kleid drin im Brunnenwasser. Die Szene spielte in „Dolce vita“, einen Film, gegen den ich als Gymnasiast einen Vorbehalt hatte, nur weil der Religionslehrer ihn zum Besuch empfohlen hatte, dann kann es ja nichts sein, und ich besah ihn mir später. Jetzt aber war mir Anita Ekberg so geschichtsträchtig wie das antike Rom. Ich lehnte mich an eine Hausmauer und sah dem lebhaften Treiben ruhig zu. Da entdeckte mich die Reiseführerin und muss gedacht haben, ich langweile mich (aber seit einem gewissen Alter langweile ich mich nie) und wollte mir aus dieser vermeintlichen Langeweile heraushelfen, indem sie mich in eine nahe Kirche führte, in der es still war und sehr angenehm kühl. Dann ging es zur spanischen Treppe sogar mit einem Blick in den mir schäbig vorkommenden Flur vom casa Goethe, wo Goethe beim Maler Tischbein gewohnt hat. Am Schluss vom fahrenden Bus aus ein kurzer Blick auf den Petersdom. Als die Straße zur Autobahn dann noch umsäumt war von roten, rosa und weißen Blumen, freute ich mich darüber, dass ich die ursprüngliche Buchung mit dem Flugzeug nach Sizilien storniert habe für diese Fahrt mit Bus und Schiff. Ich hätte ja sonst vom Flugzeug aus Rom nur erahnen können.

13.6.17

Lassen Sie sich von einem mediterranen Bilderbuch verzaubern – Tropea. Die Stadt liegt auf einem Felsplateau, das man besser vom Meer aus sieht als vom Aussichtspunkt, von dem man hinuntersieht auf das türkisblaue Meer mit dem weißen Sandstrand und den relativ wenigen Badegästen. Die Eiscafés bieten Eis mit Zwiebeln, Salami, Oliven, Trüffeln – ich entscheide mich, ohne Experimentierfreude, für Pistazien.

Claudia, die Reiseführerin, gibt eine knappe Übersicht über die Geschichte Siziliens von den Anfängen über die punischen Kriege bis zu Garibaldi.

Wir nehmen die Fähre an der schmalsten Stelle zwischen Italien und Sizilien, 15 Minuten dauert die Überfahrt. Ich bleibe unten bei den Autos in der abgestandenen und schwülen Luft im Bauch des Schiffes. Vorher war ich kribbelig und nervös und unruhig. Nachher habe ich das Gefühl, in einem anderen Kontinent zu sein. Die Autobahn von Messina nach Taormina ist von Blüten gesäumt, eine normannische Burg ist zu sehen. Als das Ufer von Italien nicht mehr sichtbar ist, komme ich mir, sehe ich das küstenlose Meer, erst recht in einem anderen Kontinent vor, der nicht weit entfernt ist vom Kontinent Afrika. Ich halte Ausschau nach Flüchtlingsbooten, sehe keine.

Ich erfahre von Claudia, dass auf dem Fährschiff von Palermo am Sonntag nach Rom in der Kabine nur das Handgepäck zugänglich ist, nicht aber der Koffer. Was brauche ich an Nötigem, wenn das Neccessaire im Handgepäck nicht Platz hat und auch der Pyjama nicht? Ich habe ein paar Tage Zeit, mir das zu überlegen.

Die Kladde kann ich auch nicht im Handgepäck herumtragen, ich kann also auf der Fähre keine Notizen machen.

Goethe auf dem Weg nach Palermo war seekrank und hat sich die zwei Akte von „Tasso“ in der Kabine zum Überarbeiten vorgenommen.

14.6.17

Taormina. Nicht wie Messsina vom Erdbeben zerstört.

Ich will auch das schönste Theater der Welt sehen, gehe in diese Richtung, löse das Billet. Befinde mich im Theater, begnüge mich mit einem Platz in der ersten Reihe, von dem aus man nicht aufs Meer sieht. Kann mir aber die Sicht von den höheren Rängen aus gut vorstellen.

Vom Hotelbalkon höre ich nur italienische Stimmen. Sehe an den gegenüberliegenden Wohnhäusern Wäsche hängen.

Man wollte unter Berlusconi eine Hängebrücke nach Sizilien bauen. Man musste den Plan aufgeben, weil er zu riskant war. Erstens wegen der Erdbebengefahr, dann auch, weil sich Sizilien immer mehr von Italien entfernt.

15.6.17

Aufregend ist die Stadtrundfahrt mit dem gelben Touristenbus durch Catania wegen der kitzligen Fahrt. Nicht umsonst fährt ein Beifahrer mit, der den Fahrer von außen an den Autos vorbeilotst, einmal sich sogar selbst an das Steuer eines im Weg stehenden Autos setzt, weil dessen Fahrer sich nicht getraut.

Wir treffen uns am Domplatz mit dem schwarzen Elefanten und dem Markt ganz in der Nähe, der stark nach Fisch riecht oder stinkt.

Ich trinke ein Bier am Platz. Am Nebentisch sitzen Herren in dunklen Anzügen mit weißem Hemd und Krawatte – Mafiosi?

Am Nachmittag geht es in vier Stufen auf den Ätna. Zuerst mit dem Bus bis zur unteren Station der Gondelbahn, dann mit der Gondelbahn zur oberen Station, von dort aus mit Geländebussen durch lauter dunkelgraue Lava auf circa 3000 Meter Höhe. Den Rest schenke ich mir, der hätte daraus bestanden, mit einem Führer an den Rand eines dampfenden Kraters zu steigen, 40 Minuten hin und zurück.

Im Souvenirladen in der Gondelstation gibt es viele Souvenirs aus dieser dunkelgrauen Lava, unter anderem Elefanten, wohl wegen dem Elefanten unten in Catania. Was es allerdings mit dem schwarzen Elefanten auf dem Domplatz von Cantania für eine Bewandtnis hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist halt einfach ein Elefant.

Bei der Rückfahrt bleibt die Gondel plötzlich stehen. Was jetzt? Dann fährt sie, nach einer langen halben Minute, wieder.

Schönes Wetter. Bella Sicilia.

16.6.17

Noto und Siracuse, beide Städte wurden von einem Erdbeben zerstört.

Noto baute man wieder auf an anderer Stelle, gegen ein Referendum der Bürger. Da prangt es nun als Straßenstadt (so wie es Straßendörfer gibt) in beigem Barock, 55 Kirchen wurden neu erbaut.

Siracuse wurde an gleicher Stelle wieder aufgebaut. Der Dom erhielt eine barocke Fassade. Vordem aber war er ein griechischer Tempel, noch stehen seine Säulen. Dann wurde er zu einer Kirche. Dann kamen die Araber, und die Kirche wurde zur Moschee. Dann kamen die Normannen, und die Moschee wurde wieder eine Kirche. Die Spanier wollten dann die Kirche zu einer gegenreformatorischen Kirche machen und bauten dazu Seitenaltäre ein.

Mit dem Schiff durch die Bucht von Siracuse.

Dann das archäologische Museum mit dem griechischen Theater und dem römischen Amphitheater. Am Schluss verkauft ein Mann frisch gepressten Orangensaft, der tatsächlich prima ist am spürbar heißesten Punkt von Europa.

17.6.17

Die Liparischen (oder Äolischen) Inseln kenne ich aus dem Fernsehen, WDR, der Sendung „Wunderschön“. Das merkte ich, als wir an einem Bimssteinabruch vorbeikamen, der heute, nach WDR, aus Naturschutzgründen, nicht mehr stattfindet und manche Arbeitslose gebracht hat, das merke ich noch mehr auf der Insel Vulcano, an den Schlammbädern, die, nach Fernsehen, Schwefelgeruch haben, ich will nicht schlammbaden (Dusche inklusive), mich zieht es am Hafen nach dem Restaurant „The King of Fish“. Ich bestelle einen Fischmix und erhalte Spaghetti mit Garnelen, die aber kaum zu essen sind, ein bisschen Fleisch kratze ich mühsam aus der Kruste und lege den Rest auf den Teller für die Überreste. Der Kellner erkundigt sich, ob es mir schmeckt, ich entgegne: „It was very interesting, but the wine is okay.“

Bei der Rückfahrt im unteren Geschoß des Schiffs sehe ich die Gischt fast so hoch wie das Fenster. Auf dem Wasser glitzert es von Sonnenreflexen.

18.6.17

Vorübergehend braune Wolken über Sizilien, aber über Cefalú ist schon wieder blauer Himmel.

Die Besichtigungen verlaufen immer nach dem gleichen Schema: Zuerst gemeinsamer Gang durch den Ort, dann sogenannte Freizeit: man kann Geschäfte aufsuchen oder einen Kaffe trinken, und dann geht’s wieder zum Bus. Das Problem dabei ist, den Bus wiederzufinden. Er steht nicht immer an der gleichen Stelle, wo man ausgestiegen ist. Ich halte mich nach Möglichkeit an den Reiseleiter. So setze ich mich, nachdem ich Cefalú mit den engen Gassen und dem Blick auf den Strand gesehen habe, auf den sanft ansteigenden Platz mit den Treppen unter der normannischen Kathedrale mit den zwei wuchtigen Türmen und verabrede mich für elf Uhr dreißig mit dem Reiseleiter. Der sagt, ich könne alleine laufen, es sei ganz leicht, die nächste Straße rechts und dann immer geradeaus. Ich laufe geradeaus und begegne keinem Bus. Da, wo es zum Hafen hinuntergeht, halte ich, der Reiseleiter hat mich eingeholt, und dann kommt auch bald der Bus. Es ist ganz einfach. Manchmal habe ich vor oder auf Reisen die Angst, ich könnte verloren gehen. Dass ich den Bus nicht mehr finde beispielsweise.

Am Nachmittag Palermo. Vom Bus aus kann ich mir kein Stadtbild machen, wie es Goethe in seiner „Italienischen Reise“ plastisch geschildert hat. Die Reiseleiterin gibt uns Audiogeräte mit Kopfhörer, die tadellos funktionieren (nicht wie in Rom, wo der Ton unscharf war). In der Kathedrale erzählt sie uns von der Mafia, man rechnet mit dreitausend Mafiosi. Die Gerichtsverfahren in Palermo sind sehr schleppend, da wenden sich vor allem arme Leute an die Mafia, die ihnen oft auch helfen kann, aber die Auflage besteht, dass Revanche erfolgen kann, dass man zum Beispiel für die Mafia Waffen verstecken muss. In der Kathedrale hängt an einem Seitenaltar das Foto eines lächelnden jungen Mannes, der sich gegen die Mafia gewandt hat und dann erschossen worden ist, er soll gelächelt haben dabei und ist dann selig gesprochen worden. Wir kommen am Teatro Massimo vorbei, einer Oper, der Operntourismus blüht, die großen Straßen, auf denen früher der Verkehr dreispurig gerollt ist, sind zu Fußgängerzonen ausgebaut worden, so dass wir mitten auf der Straße laufen können. Ein Café hat mitten auf der Straße Tische und Stühle aufgestellt. Wir kommen an Barockveranden vorbei, deren Gitter bauchig geformt sind, damit die breiten Röcke der Frauen Platz gehabt haben. Auf einem kleinen Platz ein Brunnen aus Carraramarmor mit vielen nackten Figuren, was für die Bewohner sensationell gewesen sein muss, denn Nacktheit konnten sie nicht einmal zu Hause sehen. Zwei Kirchen schauen aus wie Moscheen, was daher rührt, dass arabische Architekten den Auftrag zum Kirchenbau bekommen haben.

Dann geht’s zur Fähre, die uns in vierzehn Stunden in die Nähe von Rom führt. Von dort geht es mit dem Bus bis nach Bad Kreuznach, wo es mit Taxi nach Trier geht.

Nach dem Gotthard sehe ich keine Häuser mehr mit auf allen vier Seiten sanft abfallendem Dach.

20.6.17

Morgens um 2 Uhr 30 in Trier angekommen. Das Auto steht noch am gleichen Platz und ist nicht abgeschleppt worden, obwohl der Parkplatz nicht für Dauerparker zugelassen war.

Ich muss zum Arzt, weil meine Füße von der langen Busfahrt angeschwollen sind, dass ich kaum

richtig gehen kann. Ich kriege Entwässerungstabletten.

Das nehme ich aber gerne in Kauf.

Die Reise war wunderschön.

Komisch, dass ich auf Sizilien keine griechischen Tempel gesehen habe. Außer den Säulen auf der ursprünglichen Akropolis von Siracuse. Aber die standen ja in einer Kirche.

Das volle Programm habe ich mitgemacht. Außer die letzten vierzig Minuten auf dem Ätna. Aber da hatte der Bergfrührer jede Verantwortung abgelehnt für Berggänger ohne Bergschuhe. Stand so ausdrücklich auf dem Billet.

Wir trauern um Walter Schenker

Der Schriftsteller Walter Schenker

Walter Schenker ist am 7. August 2018 völlig unerwartet verstorben. Sein wohl bekanntester Roman „Eifel“ war erst vor kurzem zu Ehren seines Geburtstages im Verlag KBV neu aufgelegt worden, die Geste hatte den Autor sehr gefreut. Auch seine jüngste Veröffentlichung, die Novelle „Visit beautiful Vietnam“, hatte bei seiner letzten Lesung anlässlich seines 75. Geburtstages in der Zentralbibliothek Solothurn großen Anklang gefunden.Walter Schenker lebte bis zu seinem Tod als Schriftsteller in Trier und war ehrenamtlich als Diakon tätig.

 

 

VISIT BEAUTIFUL VIETNAM

1968 hing ein Poster mit den Worten „Visit beautiful Vietnam“ an der Wand der Wohnung des jungen Walter Schenker. Fast genau ein halbes Jahrhundert später machte er den Traum wahr und reiste nach Vietnam.

Der Beitrag des 1943 in Solothurn geborenen Schriftstellers zum Jahr 1968 waren seine „Solothurner Geschichten“, die ihn schlagartig zum Enfant terrible stempelten. Er war dann Autor bei Rowohlt und Ammann. Sein Roman „Eifel“ wurde verfilmt.

Visit beautiful Vietnam - Novelle
Visit beautiful Vietnam – Novelle

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Mit ergänzenden Texten unter dem Motto „Ich bin ein 68er“ inklusive Terrorverdacht

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Literatur ist nicht alles … aber ohne Literatur ist alles nichts.

Zum 75. von Dr. Walter Schenker

von Richard Albrecht

Über Literatur, die diesen Namen verdient, und ihre Autoren (allerlei Geschlechts) publizieren, bedeutet immer schon, einen anstrengenden Prozeß des mehrfachen sich-in-Beziehung-setzens anzustrengen. Dazu zunächst wenige kurze Vorbemerkungen. Sodann etwas über Romane, ihren arbeitssuchenden Autor und dessen neuen Brotberuf. Und im Ausblick Fragen.

Einschränkendes vorab

Den am 16. Juli 1943 in der nachhaltig katholisch geprägten kantonalen Kleinstadt Solothurn, damals um 15.000 Einwohner, geborenen deutschschweizer Schriftsteller Walter Schenker kenne ich in der Tat nicht erst seit vorgestern nachmittag. Den Autorennamen dürfte ich mir Anfang der 1980er Jahre nach unterhaltsamer Lektüre des schmalen Satireromans Professor Gifter (1979) dauerhaft gemerkt haben. Als gelernter Mannheimer Sozialwissenschaftler der Endsechzigererinnere ich in diesem Zusammenhang zwei weitere auch heute noch ́namhafte ́, aus Solothurn stammende und in der Alten Bundesrepubik Deutschland wirkende, Soziologen und Hochschullehrer: Urs Jäggi (*1931) als auch literarisch-essayistisch publizierenden Kritikerverkruster Alt-BRD-Machtstrukturen und -Herrschaftsverhältnisse sowie Martin Kohli (*1942) als subjektsoziologisch interessierten Biographie- und Lebenslaufforscher. In dieser Merkwelt des Solothurner Dreigestirns siedelte der Autor Schenker sowohl als Dritter im Bunde als auch als derjenige, der das produktive, auch provokante, Potential von Achtundsechzig unter vorfindlichen helvetischen Bedingungen ausdrückt/e.

Schenker selbst lernte ich im Sommer 1993 kennen (und wegen seiner Verläßlichkeit und Bescheidenheit schätzen), vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren, im Zusammenhang mit einer öffentlichen Veranstaltung in meiner damaligen (wie heutigen) Heimatgemeinde, der Kurstadt Bad Münstereifel, auch zeitweilig Bad Heinotown und heuer Bad Outlet, im Südzipfel des größtendeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen gelegen. Er las und diskutierte auf Einladung der damaligen Stadtverordneten der Grün-Alternativen in den NRW-Räten, Dr. Wilma Ruth Albrecht, vor allem aus seinem Roman Eifel (1982) im Zusammenhang mit der bis heute erfolgreich wirksamen Politik-von-unten-Aktion, den Erhalt-durch-Ausbau der Erfttalbahn: „Die Schließung der Fahrkartenausgabe in Bad Münstereifel am 30.6.1993 konnte nicht verhindert werden. Die Grünen nutzten sie zum Kauf der am DB-Schalter letztausgegebenen Fahrkarte. Diese erhielt der in Trier lebende Schriftsteller Dr. Walter Schenker, Autor des 1983 erschienenen Romans Eifel. Mit ihm gab es “vor Ort” am 17. 9. 1993 eine gut besuchte Kultur- und Diskussionsveranstaltung.“[1]

Damit ist ein Teil des Rahmen für diese Erinnerung zum 75. des Autors angesprochen. Einschränkend sei ergänzt:

Im Gegensatz zu Anderen halte ich Schenker für einen poeta doctus. Es wäre grundverkehrt, diesen gelehrten Schriftsteller auf Regionalliteratur im allgemeinen und Eifelkrimi im speziellen[2] zu verkürzen oder gar, analog dem Rheinmythos[3], ihn zur Schaffung eines funktionalen Eifelmythos zu venutzen … auch wenn zutrifft: sowohl im literarischen Leben wie in lebendiger Literatur wird raumzeitlich Existenzielles immer territoral, regional, landschaftlich und mentalitär angeeignet und ausgedrückt[4]. Zum anderen geht es mir hier um einen porträtbezogenen Aspekt und damit wederum ein Porträt des Autors noch um Elemente seiner Biographie. Die Leitfrage, „wie ein Mensch zuseiner Zeit mit dem Leben zurecht zu kommen versuchte“[5], bleibt draußen vor.

Weil auch ich mich noch immer nicht mit der vom bedeutenden Göttinger Gelehrten und Zeitgenossen Goethes zutreffend kritisierten Kunst, „Bücher zu beurteilen, ohne sie gelesen zuhaben“[6], anfreunden mag, kann ich über die beiden bisher genannten lediglich mit vier weiterenBüchern Schenkers dienen und damit nur auf einen schmalen Corpus von N=6: vier Romane1979/88 und zwei sprachwissenschaftliche Studien 1978/82 verweisen. Und schließlich ist diese Rückschau auch nicht beliebig. Sondern verweist auf einen relevanten Autor der (alt)bundeutschen 1970er und 1980er Jahre und dessen Texte, gegen Ideologie und Mythos, ideologische Mythen und mythische Ideologien ein Gedächtnis geschichtlicher Zeitzeugenschaft („una memoria histórica, testimonial“[7]) zu bewahren.

Romane … nur Romane

 Professor Gifter (Reinbek: Rowohlt, 1979, 219 p.) gilt als erster Roman Walter Schenkers. Er erschien wie sein zweiter, Anaxagoras oder der Nord-Süd-Konflikt (Reinbek: Rowohlt 1981, 281 p.) im Gegensatz zu den folgenden Romanen und Büchern des Autors (bei Amman, Zürich) in einem renommierten bundesdeutschen Verlag. Gifter ist nicht nur Name. Sondern zugleich auch Chiffre und Grundmuster der Wissenschaftlerkarriere eines Karrierewissenschaftlers der 1970er Jahre von unten nach oben. Der novellistische Stoff des retrospektiv ich-erzählenden Walt Joe Gifter (mit identischen Geburtsdaten des Autors), Promotion 1968, Habilitation 1975 und folgender Lehrstuhlberufung des Anglisten nach Hongkong[8] mit seinen unterhaltam-skurrilien und grotek-absurden Passagen dieses Lebenslaufs in die zuletzt nur noch mit seiner Katze geteilte soziale Isolation ist kontrapunktisch angelegt. Je mehr Gifter sein Karriereziel: Lehrstuhl erreicht, desto stärker verkümmert der Beziehungsrest dieser konformen Schrumpfexistenz als zuletzt 35jähriger Sozialtoter.

Schenker hat etwas, was schon wenige Jahre später als soziologisches Schlagwort Individualierung[9] die Runde machte, literarisch durchkomponiert. Insofern ist seine Kunstfigur des Professor Gifter als literarische Antizipation richtungsweisend verdichtete Vorwegnahme eines grundlegenden gesellschaftlichen Entwicklungstrends: Nomadisierung, Vereinzelung, Beziehungsunfähigkeit sind nicht bloß ärgerliche Zuspitzungen des postmodernen Individualisierungsprozesses. Sondern vielmehr dessen notwenige Strukturmomente[10]. Diesen wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungsprozeß Ende der 1970er Jahre beschrieben zu haben ist eine der Stärken des ersten Schenker-Romans und verweist auf eine unverzichtbare Aufgabezeitgenössischer kritisch-realistischer Literatur. Der linksbürgeriche Soziologe René König hat sie zuletzt so zusammenfaßt[11]: „Erst sehr viel später wurde mir klar, daß die Soziologie keineswegs immer als Spitzenreiter der Erkenntnis auftritt, sondern eigentlich zumeist in zweiter Linie dasvorher dichterisch geschaute zu systematisieren sucht.“

Schenkers zweiter Roman Eifel (Zürich: Amman, 1982, 358 p.), möglicherweise immer nochdessen meistrezenzierter, ist ausgreifender angelegt und vielstimmiger durchkomponiert als der erste. Dabei ist der Romantitel sowohl gegenständlich als auch im übertragenen Sinn als Depressionslandschaft und Chiffre für Verlust bis hin zum (angedeuteten und vollzogenen) Suizid irgenwo um Prüm und Bitburg, Mayen und Daun zu verstehen. Eifel enthält auch wichtige sozioliterarisch-reflexive Passagen (zu Depression, Krieg: 146ff., 177ff.). Im Mittelpunkt des Romans steht die zunehmend zerüttete und zerstörte Persönlichkeit eines arbeitlosen Lehrers (*1944) im katholisch geprägten, politisch konservativen sozioregionalen Milieu. Auch hier sprichtder Autor grundlegende Sinnfragen des Zusammenlebens regional vergemeinschafteter Menschen zu Richtung, Tempo und Ausmaß von Modernisierungsprozessen in Randlagen mit dominant traditioneller, modernisierungsferner Bevölkerung an.

Josef Zierden hat Stärke und Faszination des Eifel-Romans so zusammengefaßt[12]: Schenker“erzählt vom ereignislos-unaufhaltsamen Niedergang eines arbeitslosen Gymnasiallehrers und von dessen Zusammenleben mit seiner im Grundschuldienst beschäftigten Frau und mit dem Sohn Matthias […] Je mehr Jakob Simonis den Engen und Zwängen dieser kleinen Welt zu entrinnen sucht, desto tiefer verstrickt er sich in der Vergangenheit. Zur Entfremdung von Herkunft tritt diegeistige, soziale und wirtschaftliche Unbehaustheit in der Gegenwart, in der Jakob restaurative Kräfte dominieren sieht; die Ideale der von ihm noch miterlebten Studentenrevolte sind längst vergessen. Je mehr so die Vergangenheit die Gegenwart überlagert und die Gegenwart die Dimension Zukunft verliert, umso unausweichlicher sieht er sein Leben in einer ́leeren Wüste ́münden. Jakobs zunehmender Wirklichkeitsverlust führt schließlich zum Selbstmord […] Ambivalent die Bedeutung der Eifelandschaft: Teils spiegelt oder bedingt die als rückständig empfundene ́Windschattengegend ́ Jakobs verzweifelte Lage, teils ist sie haltgebende ́Übermutter ́und Sehnsuchtsziel […] Zu Recht fanden viele Kritiker an diesem Roman ansprechend: Schenkers intime Kenntnis seiner zweiten Heimat in Deutschland; den eindringlichen Nachvollzug des inneren Prozesses mit immer neuen assoziativen ́Sprüngen ́ und ́Schleifen ́; die Einfühlsamkeit seinerRollenprosa; die Widerspiegelung der disparaten Wirklichkeitserfahrung in einer souverän gehandhabten Collagetechnik. Die ́Nachschrift ́ indes wurde überwiegend als überflüssig abgelehnt.“

Schenkers nächster Roman Gudrun (Zürich: Ammann, 1985, 285 p.) irritiert zunächst durch dieradikal weibliche autobiographische Rückerinnerung der icherzählenden Protagonistin (*1940). Auch das Scheitern dieser Frau in besten Jahren mit drei Söhnen nach zwei Ehen und ihrer inneren Unruhe rückbezieht Schenker auf unerfüllte Hoffnungen der 68er-Bewegung. Daraus wird ein so breit gefächertes wie bewegendes Zeitgeistpanorama, das Frauen dieser Generation dem Autor an Erfahrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen erzählt haben mögen und das hier emphatisch, damit auch distanzlos, mitgeteilt wird: „Der Roman spannt einen großen räumlichen und zeitlichenBogen: Die 14 Schauplätze, nach denen die Kapitel benannt sind, markieren Lebensabschnitte der Mittvierzigerin Gudrun (Vertreibung aus Königsberg 1943, Kindheit und Mädchenzeit in der DDR,“Republikflucht in die Bundesrepublik, Ehen, Scheidungen, Freundschaften, Gemanistikstudium, Berufe).“ Auch Zierden erwähnt das doppelte rezeptive Unbehagen dieses großen Deutschland-Romans eines Schweizers mit „radikalweiblicher Erzählperspektive“ seines „männlichen Autors“[13].

Im letzten hier kurz vorzustellenden Schenker-Roman, Am anderen Ende der Welt (Zürich: Ammann, 1988, 205 p.), geht es um eine Autorenreise zu einer Lesung im Schweizer Klub nach Kiel. Auch wenn der Autor eine Familiengeschichte spurensuchend, reflexiv und verfremdet im Möglichkeitsspektrum bemüht – herausgekommen ist vorwiegend spannungslose, auf recht verdünnte soziohistorische Wirklichkeiten rückbezogene „Literatenliteratur“ (Robert Prutz) mit einem grotesken Plot der Rahmenhandlung: „Zwei sensationsgierige ́Bild ́-Reporter helfen ungebeten bei der Suche nach Lene; der Schriftsteller flieht überstürzt weiter nach Norden, beseeltvom Wunsch, spurlos zu verschwinden.“[14]

Autor sucht Arbeit

1984 war jenes Jahr in der altbundesdeutschen Geschichte, in dem die amtliche Statistik erstmalig mehr als zwei Millionen Menschen als arbeitslos auswies. Einer dieser war Walter Schenker. Der seinen sozialen Status nach zehnjähriger Beschäftigung als Universitätsprofessor auf Zeit im Lokalteil der Regionalzeitung Trierischer Volksfreund am 18. 2. 1984 so inserierte:

„Walter Schenker, Autor des Romans ́Eifel ́, 10 Jahre Professor an der Uni Trier, wird arbeitslosohne Arbeitslosengeld und sucht deshalb Arbeit“.

Dieser lakonistisch mitgeteilte und scheinbar so „unerhörte Vorgang“ (Bertolt Brecht) des einen von Millionen war – und ist – so alltäglich wie banal. Für diesen einen war nach zehn Jahren im in der ersten Hälfte der 1970er Jahre erheblich erweiterten rheinland-pfälzischen Hochschulbereich mit seiner ersten Doppeluniversität kein Platz mehr. Wobei damals, Mitte der 1980 Jahre noch galt: um als Beamter auf Lebenszeit nicht übernommen zu werden – mußtest Du weder KP-nah noch KB-affin aktiv sein, silberne Löffel geklaut haben, pädophilieverdächtig oder machosexualistisch wirken; in der Hohen Zeit der Landeskabinette der beiden Heidelberger Politologen Dr. Helmut Kohl (Mai 1969 bis Dezember 1976) und Dr. Bernhard Vogel (Dezember 1976 bis Dezember 1988) als Ministerpäsidenten reichte oft schon der fehlende Stallgeruch des Juste Mileu …

Was als Kenntnis von Land und Leuten, ihren Sitten und Gebräuchen, ihren Befürchtungen und Hoffnungen, schließlich ihren alltäglichen Umgangsformen und massenhaften Sprachgesten jedem Hochschullehrer im Land gut anstünde und als positives Einstellungskriterium anerkannt werden könnte – schien bei Walter Schenker, der im Sinne forschenden Lehrens teilweise gemeinsam mit seinen Studies zwei sprachwissenschaftlich Forschungsprojekte mittlerer soziologischer Reichweitedurchführte[15], wie ein Bumerang gewirkt und diesen Autor als Sprach- und Literaturwissenschaftler besonders disqualifiziert zu haben.

In ihren Altersmemoiren hat Dr. Elisabeth Noelle-Neumann ausführlich die ihrer Berufung an die JGU Mainz (1968) vorgelagerten Vorgänge und besonders eine von Kohl als CDU-Fraktionsvorsitzendem veranlaßte gemeinsame vormittägliche Weißweinsause im Mainzer Kulturministerium erinnert – gern empfehle ich diese Passagen zur aufklärend-unterhaltsamen Lektüre[16]. Kontrastiv dazu zeigt die Causa Schenker als Einzelheit mit der Entfernung Walter Schenkers aus der Uni Trier 1984: Jahrzehnte vor Pisa und Bologna gab es in der Altbundesrepublik auch an ihren neuen Universitäten nachhaltig wirksame Zerstörungsprozesse produktiver Lehr- und Forschungsansätze und ihrer Protagonisten.

Ausblick

Walter Schenker hat mehrfach öffentlich betont, daß er als Autor zuletzt mit dem historischen Roman Manesse (Zürich: Ammann, 1991, 317 p.) alles ihm Wesentliche gesagt hätte. Insofern erscheint es nur folgerichtig, daß er Anfang 1991 seinen sozialen Status als freier Autor beendete und – „die Kirche hat einen großen Magen“ (J. W. Goethe) – unter der Ägide des damaligen Bischofs von Trier und heutigem Erzbischofs von München und Freising, Reinhold Marx (*1953), eine zweite Ausbildung als katholischer Laie zum Diakon begann, 1995 abschloß und seitdem in diesem (adornietisch ausgedrückt) Brotberuf praktisch wirkte. Aktuell soll Schenker die durch Anwendung digitalisierter Techniken leicht/er möglich gewordene Wiederveröffentlichung seiner Bücher, vor allem der Romane, als books-on-demand-Ausgaben betreiben. (Geplant bisher, wenn ich mich nicht verzählt habe, zwölf Bände.)

Ob der Autor, nun fünfundsiebzigjährig, nicht nur alt, sondern auch (alters)weise geworden oder ober nur alt und immer noch zornig geblieben ist – kann ich nicht wissen. Ich weiß lediglich, daß er immer noch als Autor zu Lesungen und Vorträgen reist. Und so soll er denn auch, wenn ich ́s richtig recherchierte, am 28. November 2018 abends auf einer Veranstaltung der MonschauTouristik GmbH. im deutsch-belgischen Grenzgebiet in Hellenthal in der Gaststätte Zum Bergmannstreff aus Eifel. Roman lesen …

[1] Wilma Ruth Albrecht, DIE ERFTTALBAHN IM KREIS EUSKIRCHEN ODER ERHALT DURCH AUSBAU.Subjekthistorische Erinnerung an eine “erfolgreiche” Politik “von unten” im ländlichen Raum 1989/94 [2014: 7, Anm.2: https://soziologisch.files.wordpress.co m/2014/11/wilma-ruth-albrecht-erfttalbahn-starkgekc3bcrzt.pdf][2] Richard Albrecht, Eifel-Blues & die Folgen; in: soziologie heute, 46/2016: 38-41; zum hier nicht diskutiertenEifelsyndrom s. die volkskundliche Untersuchung von Sabine Doering-Manteuffel, DIE EIFEL. Geschichte einerLandschaft. Ffm.-N.Y. 1995[3] Richard Albrecht, ́Vater Rhein ́: Ein Fluß als Mythos; in: Kultursoziologie, 12 (2003) I: 125-132[4] Richard Albrecht, Kurt Batt – Hinweise auf einen marxistischen Intellektuellen; in: Kultur und Gesellschaft, 4/1980:8-9[5] Werner Mittenzwei, Zur Biographie Brechts; in: Sinn und Form, 37 (1985) 2: 255-263[6] Lichtenbergs Werke in einem Band. Hg. Hans Friederici. Berlin-Weimar ³1978: 193[7] Jorge Semprún, Autobiografía de Federico Sánchez. Novela. Barcelona 1977: 240-241; Dt. Ausgabe Ffm.-Berlin-Wien 1981: 283-284[8] Josef Zierden, Walter Schenker; in: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, 34. Lieferung[1990], Sonderdruck, 10 p., hier 2-3; als aktuelle, stimmige und kurze BioBibliographie des Autors s.http://walterschenker.de/?page_id=7[9] Richard Albrecht, Differenzierung – Pluralisierung – Individualisierung; in: Gewerkschaftliche Monatshefte,8/1990: 503-512[10] Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Ffm. 1986: 200[11] René König, Leben im Widerspruch. Versuch einer intellektuellen Autobiogaphie. Ffm. etc. ²1984: 34; zu König s.Richard Albrecht, Leben im Widerspruch und Überleben als Widerspruch; in: Auskunft, 35 (2015) I: 39-71[12] Zierden, Walter Schenker: 4[13] Zierden, Walter Schenker: 5[14] Zierden, Walter Schenker: 6[15] Walter Schenker, Spachliche Manieren. Eine sprachsoziologische Erhebung im Raum Trier und Eifel. Ffm. etc.1978, 108 p.; ders., Medienkomsum und Sprachverhalten. Eine Erhebung in Rheinland-Pfalz und im Saarland,repräsentativ für die Bundesrepublik. Ffm. etc. 1982, 149 p.[16] Elisabeth Noelle-Neumann, Die Erinnerungen. München ²2017: 214-227

Dr. Richard Albrecht, PhD., Kultur- und Sozialwissenschaftler. Leitkonzept The Utopian Paradigm (1991).Kolumnist des Linzer Fachmagazins soziologie heute. Fördermitglied der Freidenker; e-Posteingreifendes.denken@gmx.net